Flieder

Nun weiß ich noch, ’s ist Frühling wieder.
Ich sah es nicht vor so viel Nacht
und lange hatt‘ ich’s nicht gedacht.
Nun merk‘ ich erst, schon blüht der Flieder.

Wie fand ich das Geheimnis wieder?
Man hatte mich darum gebracht.
Was hat die Welt aus uns gemacht!
Ich dreh‘ mich um, da blüht der Flieder.

Und danke Gott, er schuf mich wieder,
indem er wiederschuf die Pracht.
Sie anzuschauen aufgewacht,
so bleib‘ ich stehn. Noch blüht der Flieder.

Karl Kraus, 1919

Ein wildes Gebiet

Was für ein Abend – 25 Jahre TOCOTRONIC. Tourstop Berlin, Columbiahalle – ausverkauft – die neuen Stücke vom neuen Album „Unendlichkeit“ funktionieren erstaunlich gut. Schnell haben die vier Musiker die Zuschauer gepackt; die alten Stücke – Selbstläufer. Das war schön. Thanx!

My Friend The Forest

Funkhaus Berlin - der Saal 1

Funkhaus Berlin – der Saal 1

Ich steige in die 21 Richtung Schöneweide. Wir fahren durch Friedrichshain, schnell ist die Tram voll. Eins ist klar, die Leute wollen ins Funkhaus Berlin in der Nalepastraße.

Dort spielt heute Abend Nils Frahm das erste seiner vier Berlin-Konzerte. Die Konzerte sind ausverkauft, am Freitag kommt die neue Platte des Komponisten heraus: All Melody.

 

Es ist kalt, es ist Winter, etwas nebelig – die Stimmung passt. Leider habe ich keine Eintrittskarte.

Nach etwas Warten vor dem Funkhaus, habe ich Glück; ein Ticket zum Originalpreis. Schnell fühlt sich der Saal. Zwei Stunden wird Nils Frahm diesen Raum mit Tönen, Beats, Schwingungen, Gedanken, Träumen, Emotionen, – mit seiner Musik bespielen.

Eine Reise in die Ferne

Eine Ruhe, gebrochen von Melodien, die eine Reise beschreiben, eine Reise in die Ferne, weit weg von der Spree, weit weg von Berlin: wunderbar. Nach dem Konzert fahre ich mit der 21 wieder nach Friedrichshain, der Sound fährt mit.

Open House

Direktor: Ihr wißt, auf unsern deutschen Bühnen
Probiert ein jeder, was er mag;
Drum schonet mir an diesem Tag
Prospekte nicht und nicht Maschinen.“ Goethe – Faust

Bye Bye Castorf!

1992 wurde Frank Castorf Intendant der Berliner Volksbühne. 25 Jahre hat Castorf die Richtung vorgegeben, für das Theaterschiff in der Berliner Mitte. Ein offenes Haus, mit Spektakel, Performance, Musik und einer besonderen Theatralität. 1993 wollte ich das erste Mal in die Volksbühne: „JUGEND OHNE GOTT“. Restkarten an der Abendkasse, keine Chance. Aber es war der Beginn einer intensiven Theaterzeit. Viele der Stücke in den 90er-Jahren habe ich gesehen; „MACBETH“, „ROCKY DUTSCHKE, ’68“. „ZEMENT“, „DES TEUFELS GENERAL“, „HAUPTMANNS WEBER“, „PLASTIC PUDEL PARADE I“, „SCHMUTZIGE HÄNDE“, „DÄMONEN“, „BILLY BRAGG“, „VON MAINZ BIS AN DIE MEMEL“, „ROSEBUD“, etc. – das Theater als Fest, ohne Grenze, ohne Limit – Theater ohne Notausgang. Theater in der richtigen Zeit; am richtigen Ort.


„Schon die vormodernen Gesellschaften praktizierten das, was für Geschichten theatraler Tätigkeiten prägend geworden ist: die mehr oder minder intensive Beschäftigung mit dem sozialen, kulturellen und politischen Gefüge ihrer Gemeinschaften, der Lage ihrer Subjekte und der Situation des Menschen in der Welt überhaupt.“
Joachim Fiebach: „„Welt Theater Geschichte – Eine Kulturgeschichte des Theatralen“

Neulich in Friedrichshain

Another World

Seit 2009 (dem Album XX) spielen The xx sich mit ihrem Sound in die Herzen der Fans. Auf ihrer „See-You-Tour“ machte die Band aus London auch Station in Berlin. In der Arena in Treptow. 9000 Fans kommen: Beim Einlass stehen die Leute in einer endlosen Schlange bis nach Kreuzberg. Die Arena ist voll, proppenvoll, – die Spannung steigt.

Als die Band auf die Bühne kommt ist der Jubel groß, der Sound umarmt die Leute, er lässt sie bis zum Ende nicht mehr los. Die Musik ist weich, zart; manchmal ist der Beat hart, – dann zeigt sich, dass The xx den Weg auf den Dancefloor gefunden haben. Ein rundum schönes Konzert.

Am Schluss fragt man sich welche Stimme war besser, die der Gitarristin Romy Madley Croft, die des Bassisten Oliver Sims oder waren es die Beats von Jamie xx Smith: es ist der Dreiklang – zusammen sind sie The xx.